Berlin Open Data Day: Offene Daten auf dem Vormarsch

Gestern fand der Berlin Open Data Day statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen. Akteure aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden diskutierten die Chancen für die Veröffentlichung von Datenbeständen im Interesse der Allgemeinheit. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, so dass einige Besucher nur noch Stehplätze fanden. Ich möchte nun einige interessante Entwicklungen und spannenden Projekte vorstellen.

Berlin Open Data Day

Berlin Open Data Day

Zu Beginn gab es einen einführenden Vortrag von Anke Domscheit-Berg, Gründerin des gov2.0-Netzwerks. Sie führte in das Thema ein und brachte einige interessante Praxisbeispiele für die Verwendung offener Daten.

Die internationalen Vorreiter

In Ländern wie den USA oder Großbritannien werden Daten der öffentlichen Verwaltung schon seit längerer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zunehmend werden die Daten auch für die Entwicklung von Mobile-Apps verwendet. So stellt die Verwaltung San Franciscos seit 2009 nützliche Apps vor, die Verwaltungsdaten enthalten. San Francisco Crimespotting beispielsweise stellt mit einer interaktiven Karte Daten zu Verbrechen in der Region bereit. Oder Routesy San Francisco: Eine App die Daten zum öffentlichen Nahverkehr inklusive der tatsächlichen An- und Abfahrtzeiten liefert.

Inzwischen gibt es aber auch in Europa viele positive Beispiele. In Wien wurde am Dienstag ein Open Data Katalog gestartet, der öffentliche Daten frei zugänglich macht. Und das EU-Projekt OpenCities will die Aktivitäten im Bereich Open Government in den fünf Metropolen Amsterdam, Berlin, Barcelona, Helsinki und Paris unterstützen. Ziel ist es, Methoden der Open Innovation, wie z.B. Open Data oder Crowdsourcing, in den öffentlichen Sektor zu übertragen und zu testen.

Interessante Open-Data-Projekte aus Deutschland

Der Berlin Open Data Day bot Projekten, die schon jetzt öffentliche Daten verwenden, die Gelegenheit ihre Projekte vorzustellen. Interessant war allerdings, dass nur einige der Projekte öffentliche Daten verwendeten. Ein Projekt, das bereits öffentliche Daten verwendet ist der Offene Haushalt Berlin. Die Seite www.Berlin.OffenerHaushalt.de ist gerade online gegangen und visualisiert die Haushaltsausgaben Berlins. Mit solchen öffentlichen Daten kann sich ein Korrektiv zu politischen Versprechen entwickeln. Zusammen mit ihrem Vorbild aus Großbritannien Where Does My Money Go arbeiten sie mittlerweile an einer internationalen Anwendung.

Katharina Frosch von mundraub.org stellte die Online-Kartierung von Obstbaumstandorten vor. Dort können Obstbäume eingetragen werden, deren Früchte von niemandem geerntet werden. Neuerding gibt es sogar Mundraub-Erntetouren. Zukünftig sollen die Daten auch mit anderen Daten, wie z.B. über die Eigentümer der Bäume verknüpft werden.

Wikimedia Deutschland stellte ein Projekt vor, bei dem Open Street Map und Wikipedia zusammenarbeiten. Ortsbezogenen Daten werden mit der Karte verknüpft und umgekehrt. Auf diese Weise werden die Daten von verschiedenen Richtungen aus zugänglich gemacht. In diesem Zusammenhang sollen bald auch verknüpfte Daten zu Denkmälern in Berlin angeboten werden.

Berlin will dabei sein

Abschließend gab es noch eine Podiumsdiskussion, in der es vor allem um die Veröffentlichung von Verwaltungsdaten in Berlin ging. Almuth Hartwig-Tiedt, Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen erklärte, dass Berlin auf keinen Fall letzter sein wolle, es aber noch einige Dinge zu bedenken gäbe und gegebenenfalls eine schrittweises Vorgehen empfehlenswert sei. Außerdem könne man die Rohdaten nicht unkommentiert stehen lassen, sondern müsse diese erklären. Dies dürfte allerdings nur bedingt im Interesse der Open Data–Bewegung sein, die die Bereitstellung von Rohdaten zur weiteren Verarbeitung fordert.

Alles in allem zeigte der Berlin Open Data Day, dass starke Bewegung in die Open-Data-Strategie des Landes Berlin gekommen ist und wir in Zukunft interessante Veröffentlichungen und Anwendungen erwarten dürfen.